IM SIMULATOR VON HARARI’S HOMO DEUS

Einsteigen, bitte. Türen schliessen automatisch. Nächster Halt: Morgen. Die kurzweilige Geschichte von Yuval Noah Harari beginnt. Durch vier Stadien rast der Zug der Zeit und wechselt während der Reise die Begleiter Hunger, Krankheit und Krieg gegen Unsterblichkeit, Glück und Göttlichkeit aus. Vor der Ankunft wird der Sapiens gewarnt nicht unvorbereitet als Homo Deus in den neuen Tag zu gehen. Ein kurzer Ruck, der Zug steht. Die Türen öffnen sich. Vor dem Simulator stehen die nächsten Sapiens für einen Ausflug, der dort endet, wo er angefangen hat. Am Bahnsteig “Fragezeichen Mensch” fährt kein Zug. Hier wird nur aufgeregt über eine mögliche Zukunft geredet und philosophiert, während draussen die heutigen Sammler und Jäger bereits handelnd eine Welt hervorbringen, die auch offen für Agrarier, Wissenschaftler, Händler und Priester bleibt.

Harari fällt den Annahmen seiner erfundenen Geschichtsphilosophie zum Opfer. So dreht er alles, was er anpackt im Kreis der Fragen, die er am Schluss unbeantwortet an den Leser weitergibt. Weil nach ihm alle Ordnung erfunden ist, lädt er stringent lediglich zu einem Erlebnis ein, das eine Reise vortäuscht.

Gemessen am Erfolg des Buches, hat er den Nerv der Zeit getroffen. Wir sind lieber Zuschauer als Akteure.

Die Moral der noch nicht geschriebenen Geschichte von Morgen ist eine andere. Sie entsteht nicht beim Schreiben oder Denken im Simulator, sondern konkret beim mutigen und Moral schaffenden Handeln.

Zu Yuval Noah Harari, Home Deus. Eine Geschichte von Morgen, C. H. Beck, 2017, ISBN: 978-3-406-70401-7