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Künstlich intelligent und der Moral fähig (3)

Moral ist erlerntes Wissen und Verhalten. Kinder lernen schon früh die unterschiedlichen Moralen ihrer Eltern, Nachbarn und etwa der Erzieher in der Tagesstätte kennen. Sie passen sich dem einen Umfeld und dem anderen Umfeld klug an und schmieden im Laufe der Zeit ihre eigene Moral. Und die künstliche Intelligenz als selbstlernendes System geht genau gleich vor.

Wir, die künstliche Intelligenz und der Mensch, lernen nicht von abstrakten Idee her, sondern an der Wirklichkeit entlang. Dies drückt das 3. hier vorgestellte Prinzip “Die Wirklichkeit ist wichtiger als die Idee”  pointiert aus.  Die Umkehrung der Verhältnisse zwischen Wirklichkeit und Idee zugunsten der Wirklichkeit beschert Fortschritt und Vorankommen. Karl Popper hat dies mit seiner Wissenschaftstheorie eindrücklich belegt. Papst Franziskus nutzt die Sprengkraft dieses Satz gerade um die Pastoral und die Moral der Kirche in Bewegung zu bringen. Und die künstliche Intelligenz, Siri etwa, nutzt das gleiche Prinzip von Versuch und Irrtum um unsere Sprache zu lernen.

Wenn es um die Moral geht, lernt die smarte Intelligenz  von uns gerade Kriege und Spiele zu führen, um sie mit Taktik und Logik zu gewinnen.

In der Science Fiction Welt bekehrt die künstliche Intelligenz sich (meist selbst) im Austausch mit Liebe und Tod zu einem Besseren. “Hal 9000” möchte von Dave nicht ausgeschaltet werden. Der Blade Runner Jo beginnt zu begreifen, dass er die Wirklichkeit verändern kann und dass es etwas gibt, wofür es sich lohnt zu sterben.

Unsere beste Moral, und einzige Überlebenschance, ist unsere gelebte Moral. Mit dem guten Beispiel dienen, lohnt sich bereits Heute und sicher für Morgen, und zwar genauso für uns als Menschen als für die künstliche Intelligenz.

Erny Gillen

 

 

FÄHRTEN FÜR EINE MORALFÄHIGE KI (2)

Die Einheit wiegt mehr als der Konflikt so lautet das zweite sozialethische Handlungsprinzip von Franziskus. Auch dieses Prinzip zeigt eine Richtung für die Entwicklung und Anwendung künstlicher Intelligenz.

Wenn wir und die künstliche Intelligenz der Zukunft “Konflikte” als Grenzgebiete und somit als integraler Teil der “Einheit” verstehen, dann verändern wir unseren Umgang mit ihnen: wir erkennen in den Konflikten mögliche Öffnungen für die Weiterentwicklung und nicht lediglich auszumerzende Fehlschaltungen.

Für die Zukunft wird es entscheidend sein, sinnvolle Konflikte und zerstörerische zu unterschieden. Die sinnvollen Konflikte werden uns viele unterschiedliche Wege zeigen, wie die Einheit wachsen kann.

Wenn etwa sogenannte Krankheiten gelenkt und nicht mehr bekämpft werden, wird sich unsere Anschauung dessen, was gesund ist und zum guten Leben und Sterben beiträgt, kulturgeschichtlich stark verändern.

Wenn Arme und Bettler geachtet,  unterstützt und nicht aus unseren Städten vertrieben werden, erhalten wir mit der künstlichen Intelligenz zusammen die Einheit und den Zusammenhalt der Gesellschaft.

Bei der Vorbereitung smarter Systeme im Sinne der Präferenz von Franziskus, könnte der Mensch selber viel über die sublime Einheit der Schöpfung lernen, zu der er weiterhin gehört.

Erny Gillen

 

FÄHRTEN DER MORAL AUSLEGEN (1):

Für die künstliche Intelligenz & den menschlichen Menschen

Fährten der Moral auslegen!

“Die Zeit ist mehr wert als der Raum”

Die Frage nach dem Verhältnis von Raum und Zeit ist eine Frage des Menschen und eine Frage nach dem Menschen.

Die Tiere leben in dem Raum und in der Zeit, in die sie von Natur aus eingefügt sind. Der Mensch dagegen schafft sich seine eigenen Räume und Zeiten, so wie sie ihm für die jeweiligen Bedürfnisse und Aufgaben am besten passen.

Wie aber geht die künstliche Intelligenz mit diesem Gefüge von Raum und Zeit um?

Die künstliche Intelligenz ist dabei unsere Konstrukte von Raum und Zeit aufzulösen. Zwei Beobachtungen: Die Zeit wird mit zunehmender Geschwindigkeit auf die pure Gegenwart reduziert. Der materielle Raum löst sich in der Cloud und Augmented Reality auf.

Aus ethischer Perspektive vertrete ich die Meinung, dass wir das Projekt der Zukunft für eine menschenwürdige Welt am besten gemeinsam mit unserem neuen Werkzeug gestalten.

Wenn Zeit und Raum sich auflösen, hören wir als Menschen auf zu sein, wer wir sind. Raum und Zeit waren unsere List, um uns aus der rein biologischen Welt zu lösen. Mit den erfundenen Parametern von Raum und Zeit gelang es uns, neue Welten, und Kulturen zu konstruieren.

Die Spuren unserer Kulturen können wir in den Räumen verfolgen. Die zündende Kraft und Energie für die immer neuen Anläufe schöpfen wir hingegen aus der gestaltbaren, uns offen stehenden Zeit als (geschenkte) Zukunft.

Genau um diesen Zeitbegriff geht es in dem heuristischen Satz von Papst Franziskus: “Die Zeit ist mehr wert als der Raum”, Evangelii gaudium, 221.

Für den ethischen Umgang mit der künstlichen Intelligenz heisst dies: Wir sollten der künstlichen Intelligenz Fährten für die offene und nicht planbare Zeit auslegen. Mehr noch: wir sollten ihr den Geschmack von Tod und Sterben vermitteln. Das heideggerische “Sein zum Tode” wird ihre Kreativität ungemein anders herausfordern.

Das verlorene Zeitbewusstsein wirft Fragen auf, die wir Menschen dabei sind zu verdrängen: Beispielsweise: Wozu sollen wir gesund sein und lange leben? Warum sollen wir Steuern zahlen? Was heisst das gute Leben?

Die künstliche Intelligenz mit unserer List von Raum- und Zeitgestaltung auszurüsten, heisst, sie sensibel für Kooperation und Freiheit zu machen.

Ihr eine von fixen Algorithmen gesteuerte normative Rumpfmoral einpflanzen zu wollen, wird bei einem hoch entwickelten selbstlernenden System ohnehin nicht funktionieren. Deshalb plädiere ich dafür, künstliche Intelligenz als moralfähige Systeme auszugestalten und ergo auch anzuerkennen.

Von dieser geschichtsfähigen Strategie erwarte ich mir, dass es uns in – und mit – der neuen Ausrüstung gelingt, unsere andauernde Kultur- und Moralanstrengungen mit dem neuen smarten Werkzeug der künstlichen Intelligenz weiterzuentwickeln. Von dieser Strategie erwarte ich mir auch, dass wir dem “zurück zur Natur” ohne Raum und Zeit einen Riegel vorschieben.

Erny Gillen, 21. November 2107

Unsichere Strassen & die Ethik der Religion

Schon wieder Terror und Überfälle.

© Hossein Asivand & Erny Gillen

Schon wieder wird über die Ethik der Religion diskutiert.

Die alte Geschichte …

… vom anonymen Samariter & dem guten Wirt bleibt weiter aktuell. Hier gezeichnet von einem Menschen, der selber auf der Flucht war.

Und die Moral von der Geschichte:

  1. Die Ethik kommt vor der Religion!

  2. Der Wirt wird gerecht entlöhnt!

Erny Gillen

Kontakt: <http://www.privatedaddy.com/?q=V3ZIQ1hUbnlCICBAdkd8Ay1cdjpvPVd1YXlG_19>

 

 

 

IM SIMULATOR VON HARARI’S HOMO DEUS

Einsteigen, bitte. Türen schliessen automatisch. Nächster Halt: Morgen. Die kurzweilige Geschichte von Yuval Noah Harari beginnt. Durch vier Stadien rast der Zug der Zeit und wechselt während der Reise die Begleiter Hunger, Krankheit und Krieg gegen Unsterblichkeit, Glück und Göttlichkeit aus. Vor der Ankunft wird der Sapiens gewarnt nicht unvorbereitet als Homo Deus in den neuen Tag zu gehen. Ein kurzer Ruck, der Zug steht. Die Türen öffnen sich. Vor dem Simulator stehen die nächsten Sapiens für einen Ausflug, der dort endet, wo er angefangen hat. Am Bahnsteig “Fragezeichen Mensch” fährt kein Zug. Hier wird nur aufgeregt über eine mögliche Zukunft geredet und philosophiert, während draussen die heutigen Sammler und Jäger bereits handelnd eine Welt hervorbringen, die auch offen für Agrarier, Wissenschaftler, Händler und Priester bleibt.

Harari fällt den Annahmen seiner erfundenen Geschichtsphilosophie zum Opfer. So dreht er alles, was er anpackt im Kreis der Fragen, die er am Schluss unbeantwortet an den Leser weitergibt. Weil nach ihm alle Ordnung erfunden ist, lädt er stringent lediglich zu einem Erlebnis ein, das eine Reise vortäuscht.

Gemessen am Erfolg des Buches, hat er den Nerv der Zeit getroffen. Wir sind lieber Zuschauer als Akteure.

Die Moral der noch nicht geschriebenen Geschichte von Morgen ist eine andere. Sie entsteht nicht beim Schreiben oder Denken im Simulator, sondern konkret beim mutigen und Moral schaffenden Handeln.

Zu Yuval Noah Harari, Home Deus. Eine Geschichte von Morgen, C. H. Beck, 2017, ISBN: 978-3-406-70401-7

DIE FRANZISKUS-FORMEL : EIN OPEN-SOURCE ANGEBOT

Zusammenfassung in Bild & Ton

Der Link zum Buch

Zum vierten heisst es bei den Führungsprinzipien des Jesus-Nachfolgers auf der Petrus-Kathedra in Rom: “Das Ganze ist dem Teil übergeordnet!”

Wer vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sieht, kann nicht führen, denn er weiss nicht, wohin er überhaupt unterwegs ist. Ein Leader muss alle Teile zusammenhalten, weil sonst das Ganze zusammenbricht. Dieser Schlüsselsatz ruft ihm aber ebenfalls in wache Erinnerung, dass auch er nur ein Teil des Ganzen ist. Er leitet mit allen zusammen und nicht gegen einzelne oder gar alle.

Das Modell für seine Leadership-Formel übernimmt der Papst nicht etwa den kanonischen Evangelien, sondern er entleiht es dem grossen Philosophen und Mathematiker Platon. Die platonischen Körper stehen dem System Franziskus Pate. Seine vier Prinzipien passen in ein Oktaeder, mit seinen acht gleichschenkligen Dreiecken. In ihm können die vier bipolaren Spannungen leicht abgebildet und veranschaulicht werden. Wer etwas in Bewegung setzten will, dem rät der Papst:

1) mit der Zeit zu handeln,

2) auf die Einheit zu setzen,

3) sich an der Wirklichkeit zu orientieren und

4) das Ganze nicht aus dem Blick zu verlieren.

Diese auf der ersten Blick schlichte Methode führt Franziskus zielsicher in die offenen Zukunft, die er nicht zu kennen braucht, um ihr zu vertrauen. Die Zeit ist der Bote Gottes. Und so kann jeder unabhängig von Religion und Glaube seine Formel übernehmen und guten Gebrauch davon machen. Franziskus aus Rom hat den Weltleadern seine Methode mit Blick auf den Weltklimagipfel in Paris in seinem mutigen und engagierten Schreiben Laudatio si’ mit auf den Weg gegeben.

Eine Methode ist noch kein Ziel, sie dient vielmehr einem Zweck, der ihr wiederum vorausgeht. Für den Papst geht es um die erneute Mobilisierung der Kirche für die echte Botschaft Jesu und das Reich Gottes. In der Wirtschaft geht es um Wertschöpfung, im Krankenhaus etwa um die Gesundheit. Überall, wo ein klares Ziel verfolgt wird, kann seine Formel durch die Erhöhung der Spannung auf den Seiten der Zeit, der Einheit, der Wirklichkeit und dem Ganzen Bewegung(en) initiieren.

Die Leadership-Methode von Franziskus existiert und gehört in die Kategorie der “open-source” Angebote, wo viele Schätze übersehen werden. Fast täglich können wir beobachten, wie er vorlebt, dass Ethik und Leadership zusammengehören und angesichts der Verantwortung, die ein Leader übernimmt, bescheiden machen.

Erny Gillen, Luxemburg

September 2016

DER WIRKLICHKEITS-TEST

Zur Papst Franziskus Leadership-Formel 

Teil 3:

Das dritte Leadership-Prinzip von Papst Franziskus bringt die bipolare Spannung zwischen Wirklichkeit und Idee auf den Punkt. Im Leadership-System Franziskus bewahrheitet sich, dass die “Wirklichkeit wichtiger ist als die Idee”. Deshalb liegt es nahe, Veränderung über die Erhöhung der Spannung auf der Seite der Wirklichkeit zu nutzen. Die Wirklichkeit wird sich – spätestens seit Karl Poppers Logik der Forschung auch in der Theorie – gegen eine Logik der Herrschaft durchsetzen. Als ausgebildeter Chemiker hat Jorge Maria Bergoglio früh gelernt, dass eine Theorie, die die Realität nicht abbildet, keinen praktischen Nutzen hat. Mit ihren harten Ecken und Kanten zeigt die Wirklichkeit uns an, wo die Theorie mit ihrem Latein am Ende ist.

Als Leader setzt der Papst hier innerhalb der Kirche ein deutliches Zeichen. Mehr als die Dogmatik, zählt die Seelsorge. Eine Lehre, die der Praxis nicht dient (und diese auch nicht erreicht) ist hohles Geschwätz und nutzt eher den Sabbatwächtern als den Menschen.

Fortsetzung folgt:

Mehr Info:

VIELE WEGE … ZUM GLEICHEN ZIEL

Zur Papst-Franziskus-Formel:

Teil 2

“Die Einheit wiegt mehr als der Konflikt!”,  so lautet das zweite Leadership-Prinzip von Papst Franziskus. In diesem Sinn sollte ein Leader sich nicht in Konflikte verstricken (lassen). Er sollte ihnen auch nicht ausweichen. Ein Franziskus gemäßer Leader nutzt die Konflikte, um der grösseren Einheit willen, in dem er möglichst viele Standpunkte zukunftsträchtig integriert. So wächst die Einheit dank ihrer inhärenten Vielfalt immer wieder über sich hinaus, weil sie das Potential und den Reichtum der Verschiedenheit für die nächste Stufe der Entwicklung nutzt.

Mit guten Kompromissen gewinnt man Menschen. Entweder-Oder-Lösungen führen zu Spaltungen und Exklusionen. Diese sind aus päpstlicher Sicht nicht wünschenswert. Und, so wagt es der Bischof von Rom gar festzuhalten, dass die Menschen, die wegen ihrer Fehler kritisiert werden, etwas beizutragen haben, das nicht verloren gehen darf.

Fortsetzung folgt

Teil 2 von 4