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Unsichere Strassen & die Ethik der Religion

Schon wieder Terror und Überfälle.

© Hossein Asivand & Erny Gillen

Schon wieder wird über die Ethik der Religion diskutiert.

Die alte Geschichte …

… vom anonymen Samariter & dem guten Wirt bleibt weiter aktuell. Hier gezeichnet von einem Menschen, der selber auf der Flucht war.

Und die Moral von der Geschichte:

  1. Die Ethik kommt vor der Religion!

  2. Der Wirt wird gerecht entlöhnt!

Erny Gillen

Kontakt: <http://www.privatedaddy.com/?q=ciFlZ30DQ11ndw1kUxBRJwgLWx5KanpQNlRi_19>

 

 

 

IM SIMULATOR VON HARARI’S HOMO DEUS

Einsteigen, bitte. Türen schliessen automatisch. Nächster Halt: Morgen. Die kurzweilige Geschichte von Yuval Noah Harari beginnt. Durch vier Stadien rast der Zug der Zeit und wechselt während der Reise die Begleiter Hunger, Krankheit und Krieg gegen Unsterblichkeit, Glück und Göttlichkeit aus. Vor der Ankunft wird der Sapiens gewarnt nicht unvorbereitet als Homo Deus in den neuen Tag zu gehen. Ein kurzer Ruck, der Zug steht. Die Türen öffnen sich. Vor dem Simulator stehen die nächsten Sapiens für einen Ausflug, der dort endet, wo er angefangen hat. Am Bahnsteig “Fragezeichen Mensch” fährt kein Zug. Hier wird nur aufgeregt über eine mögliche Zukunft geredet und philosophiert, während draussen die heutigen Sammler und Jäger bereits handelnd eine Welt hervorbringen, die auch offen für Agrarier, Wissenschaftler, Händler und Priester bleibt.

Harari fällt den Annahmen seiner erfundenen Geschichtsphilosophie zum Opfer. So dreht er alles, was er anpackt im Kreis der Fragen, die er am Schluss unbeantwortet an den Leser weitergibt. Weil nach ihm alle Ordnung erfunden ist, lädt er stringent lediglich zu einem Erlebnis ein, das eine Reise vortäuscht.

Gemessen am Erfolg des Buches, hat er den Nerv der Zeit getroffen. Wir sind lieber Zuschauer als Akteure.

Die Moral der noch nicht geschriebenen Geschichte von Morgen ist eine andere. Sie entsteht nicht beim Schreiben oder Denken im Simulator, sondern konkret beim mutigen und Moral schaffenden Handeln.

Zu Yuval Noah Harari, Home Deus. Eine Geschichte von Morgen, C. H. Beck, 2017, ISBN: 978-3-406-70401-7

DIE FRANZISKUS-FORMEL : EIN OPEN-SOURCE ANGEBOT

Zusammenfassung in Bild & Ton

Der Link zum Buch

Zum vierten heisst es bei den Führungsprinzipien des Jesus-Nachfolgers auf der Petrus-Kathedra in Rom: “Das Ganze ist dem Teil übergeordnet!”

Wer vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sieht, kann nicht führen, denn er weiss nicht, wohin er überhaupt unterwegs ist. Ein Leader muss alle Teile zusammenhalten, weil sonst das Ganze zusammenbricht. Dieser Schlüsselsatz ruft ihm aber ebenfalls in wache Erinnerung, dass auch er nur ein Teil des Ganzen ist. Er leitet mit allen zusammen und nicht gegen einzelne oder gar alle.

Das Modell für seine Leadership-Formel übernimmt der Papst nicht etwa den kanonischen Evangelien, sondern er entleiht es dem grossen Philosophen und Mathematiker Platon. Die platonischen Körper stehen dem System Franziskus Pate. Seine vier Prinzipien passen in ein Oktaeder, mit seinen acht gleichschenkligen Dreiecken. In ihm können die vier bipolaren Spannungen leicht abgebildet und veranschaulicht werden. Wer etwas in Bewegung setzten will, dem rät der Papst:

1) mit der Zeit zu handeln,

2) auf die Einheit zu setzen,

3) sich an der Wirklichkeit zu orientieren und

4) das Ganze nicht aus dem Blick zu verlieren.

Diese auf der ersten Blick schlichte Methode führt Franziskus zielsicher in die offenen Zukunft, die er nicht zu kennen braucht, um ihr zu vertrauen. Die Zeit ist der Bote Gottes. Und so kann jeder unabhängig von Religion und Glaube seine Formel übernehmen und guten Gebrauch davon machen. Franziskus aus Rom hat den Weltleadern seine Methode mit Blick auf den Weltklimagipfel in Paris in seinem mutigen und engagierten Schreiben Laudatio si’ mit auf den Weg gegeben.

Eine Methode ist noch kein Ziel, sie dient vielmehr einem Zweck, der ihr wiederum vorausgeht. Für den Papst geht es um die erneute Mobilisierung der Kirche für die echte Botschaft Jesu und das Reich Gottes. In der Wirtschaft geht es um Wertschöpfung, im Krankenhaus etwa um die Gesundheit. Überall, wo ein klares Ziel verfolgt wird, kann seine Formel durch die Erhöhung der Spannung auf den Seiten der Zeit, der Einheit, der Wirklichkeit und dem Ganzen Bewegung(en) initiieren.

Die Leadership-Methode von Franziskus existiert und gehört in die Kategorie der “open-source” Angebote, wo viele Schätze übersehen werden. Fast täglich können wir beobachten, wie er vorlebt, dass Ethik und Leadership zusammengehören und angesichts der Verantwortung, die ein Leader übernimmt, bescheiden machen.

Erny Gillen, Luxemburg

September 2016

DER WIRKLICHKEITS-TEST

Zur Papst Franziskus Leadership-Formel 

Teil 3:

Das dritte Leadership-Prinzip von Papst Franziskus bringt die bipolare Spannung zwischen Wirklichkeit und Idee auf den Punkt. Im Leadership-System Franziskus bewahrheitet sich, dass die “Wirklichkeit wichtiger ist als die Idee”. Deshalb liegt es nahe, Veränderung über die Erhöhung der Spannung auf der Seite der Wirklichkeit zu nutzen. Die Wirklichkeit wird sich – spätestens seit Karl Poppers Logik der Forschung auch in der Theorie – gegen eine Logik der Herrschaft durchsetzen. Als ausgebildeter Chemiker hat Jorge Maria Bergoglio früh gelernt, dass eine Theorie, die die Realität nicht abbildet, keinen praktischen Nutzen hat. Mit ihren harten Ecken und Kanten zeigt die Wirklichkeit uns an, wo die Theorie mit ihrem Latein am Ende ist.

Als Leader setzt der Papst hier innerhalb der Kirche ein deutliches Zeichen. Mehr als die Dogmatik, zählt die Seelsorge. Eine Lehre, die der Praxis nicht dient (und diese auch nicht erreicht) ist hohles Geschwätz und nutzt eher den Sabbatwächtern als den Menschen.

Fortsetzung folgt:

Mehr Info:

VIELE WEGE … ZUM GLEICHEN ZIEL

Zur Papst-Franziskus-Formel:

Teil 2

“Die Einheit wiegt mehr als der Konflikt!”,  so lautet das zweite Leadership-Prinzip von Papst Franziskus. In diesem Sinn sollte ein Leader sich nicht in Konflikte verstricken (lassen). Er sollte ihnen auch nicht ausweichen. Ein Franziskus gemäßer Leader nutzt die Konflikte, um der grösseren Einheit willen, in dem er möglichst viele Standpunkte zukunftsträchtig integriert. So wächst die Einheit dank ihrer inhärenten Vielfalt immer wieder über sich hinaus, weil sie das Potential und den Reichtum der Verschiedenheit für die nächste Stufe der Entwicklung nutzt.

Mit guten Kompromissen gewinnt man Menschen. Entweder-Oder-Lösungen führen zu Spaltungen und Exklusionen. Diese sind aus päpstlicher Sicht nicht wünschenswert. Und, so wagt es der Bischof von Rom gar festzuhalten, dass die Menschen, die wegen ihrer Fehler kritisiert werden, etwas beizutragen haben, das nicht verloren gehen darf.

Fortsetzung folgt

Teil 2 von 4

 

ZUR PAPST – FRANZISKUS – FORMEL

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Hat dieser Papst eine Methode?

Hat dieser Papst eine Methode, mit der er die Welt und die Kirche bewegt? Dem Jesuiten Bischof in Rom sollten wir jedenfalls zutrauen, dass hinter seinem leichtfüssigen Tun und Reden viel Arbeit und vor allem auch Methode steckt. Stöbert man in seinem Wirken und in seinen Werken, so leuchten vier Prinzipien auf, die er selber nennt und ausdrücklich in seinen Texte einflechtet.

“Die Zeit ist mehr wert als der Raum”, so steht es in all seinen vier grossen Schreiben (Lumen fidei 57; Evangelii gaudium, 217; Laudato si’,178;  Amoris laetitia, 3). Von der Zeit sagt er, dass sie der Bote Gottes sei. Zu gut weiss Bergoglio, dass alles kommt und (ver-)geht. Die Räume, die wir in unserer Zeit gestalten,  werden dem kontinuierlichen Sog der Zeit nicht widerstehen. Und dennoch kommen wir nicht umhin, unser Leben im Raum je und je zu zeitigen. Der Raum-Zeit-Zusammenhang spannt den Horizont für unser Dasein.

Das erste grosse Prinzip führt uns diese bipolare Spannung vor Augen. Mit jedem Leader teilt der Papst das Anliegen: Wie bringe ich um der Zukunft willen Bewegung in die gefestigten Raum-Zeit-Strukturen als Ausdruck vergangener Leistungen? Die uralte Formel, mit der er die Spannung zugunsten der Zeit erhöht, steht bereits im apokryphen Evangelium der Wahrheit.

Die in ihren jeweiligen Gedankenfestungen gefangenen Kardinäle,Prälaten und Laien hat Papst Franziskus am Ende der Synode über die Familie damit überrascht, dass er den Raum der Synode offen für die Zeit liess. Er verkündete, dass das geplante Ende, nicht der Wahrheit letzter Schluss sein könne und lud ein, “weiter” zu denken. Ein Leader leitet Prozesse ein und er bestimmt, wann sie zu Ende sind. Manche Klima- und Weltgipfel kommen nur deshalb zu einem Ergebnis, weil es eine letzte Minute gibt, auch wenn diese bisweilen um Stunden oder Tage verschoben werden muss.

Fortsetzung folgt:

Teil 1 von 4

Mehr Informationen:

 

N E U E R S C H E I N U N G

Als e-book erhältlich

und als Paperback

Manche Krankheit geht auf ungesunde Lebensführung zurück. Und manch ein durch ein Krankenhaus Geführter verlässt dieses nicht unbedingt gesund. Die Vokabeln “gesund” und „geführt” haben einen tiefen inneren Zusammenhang im Leben eines jeden Menschen. Im Krankenhaus werden sie besonders sichtbar in den individuellen Geschichten der kranken Menschen und in den angebotenen Heilungsprozessen. Das Krankenhaus als moderne Herberge der Humanität führt Menschen auf dem oft schmalen Pfad ihrer Gesundheit und bedarf deshalb eines sehr bewussten ethischen Leaderships, das alle, die sich dort aufhalten und arbeiten, zu einer Seilschaft im Dienste der Gesundheit verbindet: “gesund geführt” richtet sich deshalb gleichermaßen an kranke Menschen und Patienten wie an Ärzte und Pflegende. “gesund geführt” führt ein neues und innovatives Sprachspiel für Selbstführung und geführte Führung auf dem oft beschwerlichen Weg einer in den Fluss geratenen Gesundheit ein.

“gesund geführt” richtet sich gezielt auch an die Verantwortungsträger der Krankenhäuser. Sie schaffen die Umwelt-Bedingungen und machen das Wetter für die Führung von Ärzten, Pflegenden und Patienten. Umso wichtiger ist es, dass auch ihnen dasselbe Sprachspiel erschlossen wird, damit sie ihre Verantwortung für die Geführten gut in die Gespräche um das Krankenhaus und sein Funktionieren übersetzen können. Gute Organisation und abgeglichene Sprachcodes sind ein Garant für das Gesamtunternehmen. Sie ermöglichen — ganz im Sinne ethischen Leaderships — verantwortliches Handeln auf allen Ebenen.

“gesund geführt” ist aber auch ein Anspruch, der weit über das Krankenhaus hinaus Sinn macht. Insofern finden sich auch Leser und Leserinnen in diesem Buch zurecht und angesprochen, die “Krankheit” durch “Lebenskrise” ersetzen und “Krankenhaus” etwa durch “Beratung und Begleitung”. Wer zum Beispiel seinen Job verliert, plötzlich allein da steht oder liebe Menschen gehen lassen musste, wird aus seiner Situation heraus viele Teile von “gesund geführt” mühelos in seine Lebensgeschichte übersetzen können. Jeder, der ins Stocken geraten ist und sich ernsthaft die Frage stellt: “Wie geht es nun weiter?”, kann “gesund geführt” nutzen, um wieder ins Gleichgewicht und in Bewegung zu kommen.

gesund geführt” ist durch das Wirken von Papst Franziskus angeregt. Sein Leadership ist gekennzeichnet durch Bescheidenheit und Entschiedenheit auf der einen Seite und durch eine klare, weniger sichtbare Methode auf der anderen. Von Anfang an gebraucht er eine Methode, die ihm und allen unabhängig von Glaubensansichten dienen soll, Bewegung in schwierige Situationen zu bringen. Dabei traut er den Menschen, die Schwierigkeiten haben oder machen, genauso wie der offenen Zukunft. Seinen Leadership-Ansatz hat er ausführlich in seinem programmatischen Schreiben “Evangelii Gaudium” (Die Freude des Evangeliums) offengelegt und beschrieben. In dem geplanten Buch gieße ich seine urchristlichen Ansätze sowie ergebnisoffenen Führungsgrundsätze in eine kompakte Leadership-Kurzformel, damit möglichst viele sich an der Methode von Papst Franziskus erfolgreich inspirieren können. Ihre weltweite Wirksamkeit können wir jeden Tag im Leben und Wirken dieses Papstes feststellen.