DIE FRANZISKUS-FORMEL : EIN OPEN-SOURCE ANGEBOT

Zusammenfassung in Bild & Ton

Der Link zum Buch

Zum vierten heisst es bei den Führungsprinzipien des Jesus-Nachfolgers auf der Petrus-Kathedra in Rom: “Das Ganze ist dem Teil übergeordnet!”

Wer vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sieht, kann nicht führen, denn er weiss nicht, wohin er überhaupt unterwegs ist. Ein Leader muss alle Teile zusammenhalten, weil sonst das Ganze zusammenbricht. Dieser Schlüsselsatz ruft ihm aber ebenfalls in wache Erinnerung, dass auch er nur ein Teil des Ganzen ist. Er leitet mit allen zusammen und nicht gegen einzelne oder gar alle.

Das Modell für seine Leadership-Formel übernimmt der Papst nicht etwa den kanonischen Evangelien, sondern er entleiht es dem grossen Philosophen und Mathematiker Platon. Die platonischen Körper stehen dem System Franziskus Pate. Seine vier Prinzipien passen in ein Oktaeder, mit seinen acht gleichschenkligen Dreiecken. In ihm können die vier bipolaren Spannungen leicht abgebildet und veranschaulicht werden. Wer etwas in Bewegung setzten will, dem rät der Papst:

1) mit der Zeit zu handeln,

2) auf die Einheit zu setzen,

3) sich an der Wirklichkeit zu orientieren und

4) das Ganze nicht aus dem Blick zu verlieren.

Diese auf der ersten Blick schlichte Methode führt Franziskus zielsicher in die offenen Zukunft, die er nicht zu kennen braucht, um ihr zu vertrauen. Die Zeit ist der Bote Gottes. Und so kann jeder unabhängig von Religion und Glaube seine Formel übernehmen und guten Gebrauch davon machen. Franziskus aus Rom hat den Weltleadern seine Methode mit Blick auf den Weltklimagipfel in Paris in seinem mutigen und engagierten Schreiben Laudatio si’ mit auf den Weg gegeben.

Eine Methode ist noch kein Ziel, sie dient vielmehr einem Zweck, der ihr wiederum vorausgeht. Für den Papst geht es um die erneute Mobilisierung der Kirche für die echte Botschaft Jesu und das Reich Gottes. In der Wirtschaft geht es um Wertschöpfung, im Krankenhaus etwa um die Gesundheit. Überall, wo ein klares Ziel verfolgt wird, kann seine Formel durch die Erhöhung der Spannung auf den Seiten der Zeit, der Einheit, der Wirklichkeit und dem Ganzen Bewegung(en) initiieren.

Die Leadership-Methode von Franziskus existiert und gehört in die Kategorie der “open-source” Angebote, wo viele Schätze übersehen werden. Fast täglich können wir beobachten, wie er vorlebt, dass Ethik und Leadership zusammengehören und angesichts der Verantwortung, die ein Leader übernimmt, bescheiden machen.

Erny Gillen, Luxemburg

September 2016

DER WIRKLICHKEITS-TEST

Zur Papst Franziskus Leadership-Formel 

Teil 3:

Das dritte Leadership-Prinzip von Papst Franziskus bringt die bipolare Spannung zwischen Wirklichkeit und Idee auf den Punkt. Im Leadership-System Franziskus bewahrheitet sich, dass die “Wirklichkeit wichtiger ist als die Idee”. Deshalb liegt es nahe, Veränderung über die Erhöhung der Spannung auf der Seite der Wirklichkeit zu nutzen. Die Wirklichkeit wird sich – spätestens seit Karl Poppers Logik der Forschung auch in der Theorie – gegen eine Logik der Herrschaft durchsetzen. Als ausgebildeter Chemiker hat Jorge Maria Bergoglio früh gelernt, dass eine Theorie, die die Realität nicht abbildet, keinen praktischen Nutzen hat. Mit ihren harten Ecken und Kanten zeigt die Wirklichkeit uns an, wo die Theorie mit ihrem Latein am Ende ist.

Als Leader setzt der Papst hier innerhalb der Kirche ein deutliches Zeichen. Mehr als die Dogmatik, zählt die Seelsorge. Eine Lehre, die der Praxis nicht dient (und diese auch nicht erreicht) ist hohles Geschwätz und nutzt eher den Sabbatwächtern als den Menschen.

Fortsetzung folgt:

Mehr Info:

VIELE WEGE … ZUM GLEICHEN ZIEL

Zur Papst-Franziskus-Formel:

Teil 2

“Die Einheit wiegt mehr als der Konflikt!”,  so lautet das zweite Leadership-Prinzip von Papst Franziskus. In diesem Sinn sollte ein Leader sich nicht in Konflikte verstricken (lassen). Er sollte ihnen auch nicht ausweichen. Ein Franziskus gemäßer Leader nutzt die Konflikte, um der grösseren Einheit willen, in dem er möglichst viele Standpunkte zukunftsträchtig integriert. So wächst die Einheit dank ihrer inhärenten Vielfalt immer wieder über sich hinaus, weil sie das Potential und den Reichtum der Verschiedenheit für die nächste Stufe der Entwicklung nutzt.

Mit guten Kompromissen gewinnt man Menschen. Entweder-Oder-Lösungen führen zu Spaltungen und Exklusionen. Diese sind aus päpstlicher Sicht nicht wünschenswert. Und, so wagt es der Bischof von Rom gar festzuhalten, dass die Menschen, die wegen ihrer Fehler kritisiert werden, etwas beizutragen haben, das nicht verloren gehen darf.

Fortsetzung folgt

Teil 2 von 4

 

ZUR PAPST – FRANZISKUS – FORMEL

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Hat dieser Papst eine Methode?

Hat dieser Papst eine Methode, mit der er die Welt und die Kirche bewegt? Dem Jesuiten Bischof in Rom sollten wir jedenfalls zutrauen, dass hinter seinem leichtfüssigen Tun und Reden viel Arbeit und vor allem auch Methode steckt. Stöbert man in seinem Wirken und in seinen Werken, so leuchten vier Prinzipien auf, die er selber nennt und ausdrücklich in seinen Texte einflechtet.

“Die Zeit ist mehr wert als der Raum”, so steht es in all seinen vier grossen Schreiben (Lumen fidei 57; Evangelii gaudium, 217; Laudato si’,178;  Amoris laetitia, 3). Von der Zeit sagt er, dass sie der Bote Gottes sei. Zu gut weiss Bergoglio, dass alles kommt und (ver-)geht. Die Räume, die wir in unserer Zeit gestalten,  werden dem kontinuierlichen Sog der Zeit nicht widerstehen. Und dennoch kommen wir nicht umhin, unser Leben im Raum je und je zu zeitigen. Der Raum-Zeit-Zusammenhang spannt den Horizont für unser Dasein.

Das erste grosse Prinzip führt uns diese bipolare Spannung vor Augen. Mit jedem Leader teilt der Papst das Anliegen: Wie bringe ich um der Zukunft willen Bewegung in die gefestigten Raum-Zeit-Strukturen als Ausdruck vergangener Leistungen? Die uralte Formel, mit der er die Spannung zugunsten der Zeit erhöht, steht bereits im apokryphen Evangelium der Wahrheit.

Die in ihren jeweiligen Gedankenfestungen gefangenen Kardinäle,Prälaten und Laien hat Papst Franziskus am Ende der Synode über die Familie damit überrascht, dass er den Raum der Synode offen für die Zeit liess. Er verkündete, dass das geplante Ende, nicht der Wahrheit letzter Schluss sein könne und lud ein, “weiter” zu denken. Ein Leader leitet Prozesse ein und er bestimmt, wann sie zu Ende sind. Manche Klima- und Weltgipfel kommen nur deshalb zu einem Ergebnis, weil es eine letzte Minute gibt, auch wenn diese bisweilen um Stunden oder Tage verschoben werden muss.

Fortsetzung folgt:

Teil 1 von 4

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